Seebenwände: »Tirol Plaisir« (VI+) am 16.06.2012
Wochenlang warten wir nun auf gutes Wetter und dann ist es gleich so heiß, dass wir vor der Sonne in kühle Nordwände flüchten müssen.
Es kam uns heute also nichts besseres in den Sinn als an die Seebenwände zu gehen. Die Route »Tirol Plaisir« [155m, 6 SL; VI+] war genau das richtige für uns, zumal auch die Seillängen gerecht verteilt waren und wir uns im Vorstieg nicht um die VI+ Länge streiten mussten – es bekam jeder eine ;-)
Obwohl heute nichts eilte – früh aufstehen war Pflicht, weil …
1. die Morgensonne den rechten Wandteil in freundlichem Licht erscheinen lässt,
2. es bis mittag (auch schattenseitig) wieder unerträglich heiß werden soll,
3. wir keine „Steinewerfer“ vor uns haben wollen.
Nach schnellem, kurzen Zustieg von gut 30 Minuten standen wir an der Wand. Weit und breit keine Menschenseele. Super!
Kletterzeugs angelegt und ran an den Fels.
Die erste SL [5+] war als Einstieg genau richtig, wegen der schattigen Ausrichtung war der Fels jedoch so kalt, dass es zum Warm werden noch nicht ganz reichte. Spätestens nach der zweiten SL [6-] waren wir dann aber auf Betriebstemperatur. Gerade noch rechtzeitig bevor es in die erste von zwei Schlüssellängen ging. Die 3. SL [6+] – einfach herrlich – ein richtiger ‚faceclimb‘ mit Start über eine Platte – super schöne Züge in durchgehend steilem, festen Fels mit einem Wahnsinns-Finale: einer kraftigen Riss-Verschneidung.
Bei Rast an ‚geräumigem‘ Stand zur 4. SL haben wir dann bemerkt, dass ein gutes Dutzend weiterer Personen die gleiche Idee wie wir hatten … am Einstieg ging es zu wie bei Aldi an der Kasse. Früh aufstehen hat sich wirklich gelohnt. Der Start in die 4. SL [6+] war etwas brüchig und schwieriger als zunächst erwartet. Insgesamt war die SL aber wieder etwas abgestufter als die vorherige, jedoch mit zwei schwereren Einzelstellen. Reine Genusskletterei folgte dann wieder in der 5. SL [6-] und 6. SL [5+/6-] … so schööööön!
Da wir nicht mit soviel ‚Verfolgern‘ gerechnet hatten, lagen Schuhe + Rucksack natürlich am Einstieg und so mussten wir – trotz vorhandenem Ausstieg (Fixseil) nach oben – abseilen. Nicht schön, wenn ein Sack voller Leute in der Wand hängt, aber es ging leider nicht anders! Nach dreimaliger Abseilfahrt (mit 2x 60m-Halbseil kann man immer einen Stand überspringen) waren wir dann aber doch relativ reibungslos wieder unten.
Wegen dem regen Betrieb in der Wand verwarfen wir auch gleich die Idee, im Anschluss noch in den rechts daneben liegenden »Prior Gedächtnisweg« einzusteigen. Macht aber nichts – wir kommen sicherlich noch einmal wieder.
Mittlerweile hatte es in der Sonne gut 34°C … da blieb uns nach dem Abstieg zum Parkplatz nichts anderes übrig, als noch eine Eisdiele in Ehrwald anzufahren.
Tom
… in Seilschaft mit Ines.
Informationen:
— http://www.bergprofi.com (.pdf)
— http://www.climbers-paradise.com